Die grausame Ermordung von vier Erntehelfern Anfang Juni in Kalabrien erschüttert Menschen in Italien und weit darüber hinaus. Die Männer aus Pakistan und Afghanistan wurden nach mehreren, übereinstimmenden Medienberichten (u.a. DW) in Amendolara Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens. Die Mordtat, die nach einem Lohnstreit erfolgt sein soll, lenkt den Blick auf die grausamen und menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen, denen viele migrantische Landarbeiter in Süditalien ausgesetzt sind.
Die von der westfälischen Kirche initiierte Orangen-Aktion „Süß statt bitter“ setzt seit sechs Jahren ein Zeichen gegen diese Gewalt und Ausbeutung. In der Saison 2025/26 wurden in Deutschland mehr als 100 Tonnen fair gehandelte Orangen und andere Früchte der Kooperative SOS Rosarno aus Kalabrien verkauft.
Bei SOS Rosarno erhalten Produzenten faire Preise für ihre Früchte sowie Erntehelfer den gesetzlichen Mindestlohn und Arbeitsverträge. Viele Menschen aus Kirchengemeinden, Weltläden, Kommunen, Schulen organisieren meistens ehrenamtlich die Bestellung und den Verkauf der fairen Orangen.
Die Ermordung der vier Erntehelfer mache deutlich, „dass faire Preise und faire Arbeitsbe-
dingungen notwendig sind“, sagt Katja Breyer, stellvertretende Leiterin des oikos-Instituts
für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Hinter jeder Frucht, die wir kaufen, stehen Menschen. Ihre Würde und Rechte müssen gewahrt sein.“ Die Orangen-Aktion zeige, dass eine menschenwürdige und nachhaltige Landwirtschaft sowie ein solidarischer Konsum möglich seien.
Mediterranean Hope (MH), das Geflüchtetenprogramm des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) und Partner der westfälischen Kirche, weist darauf hin, dass die Tat von Amendolara kein Einzelfall ist. Francesco Piobbichi, MH-Mitarbeiter in Rosarno, spricht von einer „Verfestigung der brutalsten Ausbeutungspraktiken“. Gewalt, unsichere Aufenthalts-perspektiven, fehlender Wohnraum, eingeschränkte Mobilität und ein permanenter Druck auf Löhne bilden ein System der Unterdrückung und berauben Menschen ihrer Würde.
Notwendig seien sichere Aufenthaltsmöglichkeiten, menschenwürdiger Wohnraum, reguläre Arbeitsverträge für die Landarbeiter und faire Preise entlang der gesamten Lieferkette, fordert Piobicchi. Neben den Konsumenten müsse auch der Großhandel Verantwortung für die sozialen Folgen seines Preisdrucks übernehmen.
Weitere Informationen:
Bericht und Interview von Mediterranean Hope: Link
Bericht der Deutschen Welle: Link



